14 März, 2026 JBS

Der Kunstmarkt 2026

Wert im Wandel: Analyse, Trends und Ausblick

Was ist der Kunstmarkt?

Der Kunstmarkt ist die Gesamtheit aller wirtschaftlichen Transaktionen mit Kunstwerken. Er dient als Schnittstelle zwischen Angebot (Künstler, Galerien, Auktionshäuser) und Nachfrage (Sammler, Museen, Investoren). Der Marktwert wird dabei weniger durch Materialkosten als vielmehr durch symbolisches Kapital, Seltenheit, Provenienz und die aktuelle kulturelle Relevanz bestimmt.

Abstrakte, texturreiche Mischtechnik auf Leinwand mit einer zentralen, kreisförmigen Komposition. Das Werk kombiniert sanfte Hintergründe in Blau- und Beigetönen mit dynamischen, dunklen Kratzspuren und diffusen Akzenten in Rot und Schwarz, die an ein verblasstes Porträt oder eine kosmische Struktur erinnern.
Aktuelle Trends im Kunstmarkt 2026

Der Kunstmarkt bleibt ein hochemotionaler Wachstumsmarkt, der zunehmend als Werkzeug zur Portfolio-Diversifizierung genutzt wird, dabei jedoch eine hohe Expertise in der Auswahl der Werke erfordert.


Rückkehr zum Wachstum

Der globale Kunstmarkt hat 2025 nach zwei aufeinanderfolgenden Rückgangsjahren wieder Boden gutgemacht. Laut dem Art Basel & UBS Art Market Report 2026, erstellt von Dr. Clare McAndrew (Arts Economics), stiegen die globalen Umsätze um 4 % auf geschätzte 59,6 Milliarden US-Dollar. Eine moderate Erholung, getragen von einem stärkeren zweiten Halbjahr und soliden High-End-Verkäufen, aber noch deutlich unter dem Rekordhoch von 68,1 Mrd. USD aus dem Jahr 2022.

Der Bericht, nun in seiner 10. Ausgabe, analysiert Händler, Auktionshäuser, Online-Marktplätze und den Ausblick auf 2026, in einer Zeit, die von geopolitischen Spannungen, US-Zollpolitik, Krieg in West Asien und einer sich neu justierenden Nachfragestruktur geprägt ist.

Schlüsselzahlen 2025
$59,6 Mrd.
Gesamtmarkt
+4 %
Wachstum ggü. Vorjahr
41,5 Mio.
Transaktionen
$9,2 Mrd.
Online-Verkäufe
76 %
USA, UK & China Anteil
+9 %
Auktionsumsatz

Quelle: Art Basel & UBS Art Market Report 2026, Arts Economics (Dr. Clare McAndrew)


Regionale Marktübersicht

Die drei größten Kunstmärkte, USA, Vereinigtes Königreich und China, kontrollierten 2025 zusammen 76 % des globalen Marktes nach Wert (stabiles Niveau). Gleichzeitig war dieser kombinierte Anteil der niedrigste seit einem Jahrzehnt, bedingt durch Chinas schrumpfenden Anteil und aufstrebende Märkte in Asien und anderswo.

Marktanteile nach Wert 2025
🇺🇸 USA
44 %
🇬🇧 UK
18 %
🇨🇳 China
14 %
🇫🇷 Frankreich
8 %
🌍 Andere
16 %

Quelle: Arts Economics (2026)

Region Umsatz 2025 Veränderung Besonderheit
USA $26,0 Mrd. +5 % Hochpreissegment +40 % bei Lots über $10 Mio.
UK $10,5 Mrd. +2 % Auktionen stark; Galerienumsatz moderat
China $8,5 Mrd. +1 % Festland zieht an; Hongkong schrumpft
Frankreich $4,5 Mrd. +9 % Viertgrößter Markt weltweit; über 2019-Niveau
Schweiz k. A. +13 % Stärkste Wachstumsrate in Europa
Deutschland k. A. −10 % Deutlicher Rückgang im EU-Vergleich
Südkorea k. A. +6 % Aufstrebender asiatischer Markt

Quelle: Art Basel & UBS Art Market Report 2026


Auktionshäuser: Das Comeback der großen Lose

Das öffentliche Auktionssegment war 2025 der dynamischste Wachstumstreiber: ein Plus von 9 % nach einem scharfen Rückgang 2024. Besonders das obere Preissegment, Werke über 10 Millionen US-Dollar, verzeichnete in den USA einen Anstieg von fast 40 % in der Anzahl der realisierten Lots.

Hochkarätige Einzeleigentümer-Auktionen trieben den Markt an. Ein spektakuläres Beispiel: Gustav Klimts Bildnis Elisabeth Lederer (1914–16) erzielte bei Sotheby's in New York 236,4 Millionen US-Dollar, der zweithöchste je bei einer Auktion erzielte Preis in der Geschichte des Kunstmarkts (hinter Leonardo da Vincis Salvator Mundi mit 450,3 Mio. USD, 2017).

„In stärkeren Märkten bevorzugen Einlieferer oft öffentliche Auktionen, wo Bieterwettbewerb die Preise über die Erwartungen hinaus treiben kann."
, Art Basel & UBS Art Market Report 2026

Privatverkäufe bei Auktionshäusern gingen hingegen um 5 % zurück, nachdem sie 2024 noch um 14 % zugelegt hatten. Dies spiegelt eine klassische Dynamik wider: In unsicheren Zeiten bevorzugen Verkäufer diskrete Privatverkäufe; erholt sich die Stimmung, wechseln sie zu öffentlichen Auktionen mit ihrer preistreibenden Bietdynamik.

Händler vs. Auktionshäuser 2025

Der Händlersektor wuchs um lediglich 2 % auf 34,8 Mrd. USD, während öffentliche Auktionen um 9 % zulegten. Insgesamt entfielen 42 % des Gesamtmarkts auf Auktionshäuser (öffentlich + privat), 58 % auf Händler und Galerien.


Online-Kunstmarkt: Konsolidierung nach dem Boom

Der Online-Kunstmarkt durchlebt eine Phase der Normalisierung. Nach dem pandemischen Höchststand von 13,3 Milliarden US-Dollar (2021) sanken die Online-Umsätze 2025 auf 9,2 Milliarden USD, den niedrigsten Stand seit 2019. Der Anteil am Gesamtmarkt fiel von 25 % (2020) auf nun 15 %.

Die Analyse zeigt: Online-Verkäufe funktionieren gut im mittleren und unteren Preissegment, Lots unter 50.000 USD machen 63 % der Online-Auktionswerte aus. Im obersten Segment (über 1 Mio. USD) dominieren dagegen die Live-Auktionen mit 56 % des Offline-Wertes gegenüber nur 2 % online.

Online vs. Offline, Preissegmente 2025
Online <$50k
63 % online
Offline $1M+
56 % offline
Online $5k–50k
45 % d. Online-Werts

Quelle: Arts Economics (2026) mit Daten von Artory

Der allgemeine E-Commerce-Handel lag 2025 bei rund 21 % des Einzelhandels, der Kunstmarkt bleibt damit deutlich unter dem Durchschnitt anderer Konsumgüter.


Galerien & Händler: Zwischen Aufbruch und Anpassung

Der Händlersektor zeigte 2025 ein gemischtes Bild. Globale Umsätze stiegen moderat um 2 % auf 34,8 Milliarden US-Dollar. Interessant: Kleinere Händler verzeichneten teils stärkere Zuwächse als die großen Marktteilnehmer, ein Zeichen dafür, dass sich der Markt diversifiziert.

Gleichzeitig bleibt der Kostendruck hoch. Steigende Mieten, Personal- und Veranstaltungskosten belasten die Margen. In New York übertrafen 2025 die Galerienöffnungen die Schließungen, ein Signal stabiler, wenn auch herausfordernder Bedingungen.

Kunstmessen gewannen 2025 an strategischer Bedeutung: Sie machten 35 % der Händlerumsätze aus, gegenüber 31 % im Vorjahr. Online-Umsätze gingen dagegen zurück auf 15 % des Gesamtmarkts.

„Kunstmessen haben ihre Rolle im globalen Handel gestärkt, 35 % der Händlerumsätze, ein Plus gegenüber 31 % in 2024."

Fortschritte bei der Geschlechterparität: 45 % der Künstlervertretungen entfielen 2025 auf Frauen (plus 4 % gegenüber Vorjahr). Primärmarktgalerien erreichten dabei rechnerisch Parität. Im oberen Umsatzsegment bestehen jedoch weiterhin Lücken.


Geschichte des modernen Kunstmarkts

Der globale Kunstmarkt ist das Ergebnis jahrhundertelanger Entwicklungen, von den ersten Galeristen Europas bis zur digitalen Auktionsplattform von heute.

17. Jh.
Die ersten Kunsthändler Europa

In Amsterdam und Antwerpen entstehen die ersten professionellen Kunstmärkte. Holländische Meister wie Rembrandt und Vermeer werden zu begehrten Handelsobjekten. Der Kunsthandel etabliert sich als eigenständiger Wirtschaftszweig.

1766
Gründung von Christie's London

James Christie gründet in London das erste bedeutende Auktionshaus für Kunst. Wenig später folgt Sotheby's. London entwickelt sich zum Zentrum des internationalen Kunsthandels, eine Stellung, die es bis heute innehat.

1863
Salon des Refusés Paris

Napoleon III. genehmigt eine Ausstellung abgelehnter Salon-Werke. Manet, Monet und Cézanne werden gezeigt. Die Avantgarde betritt die Bühne des Kunstmarkts, und verändert die Wertmaßstäbe für immer.

1970er
Institutionalisierung als Anlageklasse Global

Großbanken und institutionelle Investoren entdecken Kunst als alternative Anlageform. Der British Rail Pension Fund erwirbt systematisch Gemälde. Kunst wird zu einem Teil moderner Portfoliostrategien.

2008–2009
Finanzkrise: Erster globaler Schock Krise

Die Weltwirtschaftskrise trifft den Kunstmarkt hart. Umsätze brechen massiv ein. Erstmals zeigt sich die enge Korrelation zwischen Finanzmarktvolatilität und dem High-End-Kunstsegment.

2021
Post-Pandemie-Boom & NFT-Revolution Digital

Der Kunstmarkt erholt sich mit +31 % auf 66,1 Mrd. USD. NFTs explodieren: Beeples Everydays erzielen bei Christie's 69 Millionen USD. Der digitale Kunstmarkt stellt alle bisherigen Definitionen von Wert und Eigentum in Frage.

2025
Moderates Comeback, 59,6 Mrd. USD Heute

Nach zwei Rückgangsjahren kehrt der Markt mit +4 % zum Wachstum zurück. Das Hochpreissegment führt die Erholung an. Online-Anteile stabilisieren sich; Kunstmessen gewinnen wieder an Bedeutung. Der Markt justiert sich neu für eine komplexere Weltordnung.


Herausforderungen: Zölle, Geopolitik & KI

Der Art Market Report 2026 zeichnet ein klares Bild struktureller Risiken, die den Kunstmarkt langfristig prägen werden:

US-Zollpolitik

Importzölle der Trump-Administration belasteten 2025 den grenzüberschreitenden Kunsthandel erheblich. US-Kunstimporte stiegen um 13 % auf 9,9 Mrd. USD. Feine Kunst bleibt weitgehend zollbefreit, aber Dekorative Kunst und Antiquitäten sind betroffen. Der Verwaltungsaufwand stieg für alle Marktteilnehmer.

Künstliche Intelligenz

KI verändert Provenienzforschung, Authentifizierung und Marktpreisbildung. Gleichzeitig entstehen neue Fragen zu urheberrechtlich generierten Kunstwerken. Regulierungsansätze unterscheiden sich stark zwischen EU, USA und Asien, ein neues geopolitisches Feld öffnet sich.

EU-Importverordnung

Die EU-Verordnung 2019/880 über die Einfuhr von Kulturgütern gilt als bürokratisch und in der Praxis schwer handhabbar, entworfen für eine geopolitische Ära, die so nicht mehr existiert. Marktteilnehmer berichten von erheblichem Mehraufwand ohne nachgewiesenen Schutzeffekt.

Kostenstruktur

Steigende Betriebskosten, Mieten, Versicherungen, Messebeteiligungen und Logistik, belasten die Margen von Händlern und Auktionshäusern gleichermaßen. Viele Businesses mussten ihre Strategien neu kalibrieren, einige mittlere Galerien schlossen trotz stabiler Nachfrage.


Ausblick 2026

Der Report zeigt: Der Markt tritt 2026 mit vorsichtigem Optimismus an. Starke Herbst- und Wintermessen sowie Rekordauktionen haben das Sentiment stabilisiert. UBS erwartet eine Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums im Jahresverlauf, mit KI als strukturellem Wachstumstreiber.

Gleichzeitig stehen dem Markt bedeutende Transformationen bevor: Der „Große Vermögenstransfer", mehr als 83 Billionen USD, die in den kommenden Jahrzehnten zwischen Generationen übergehen werden, verändert die Sammlerlandschaft. Jüngere Sammler setzen stärker auf Zweck, Partizipation und diverse Kunstformen.

„Die Wirkung von Kunst bleibt zutiefst persönlich. Sie bereichert unser Leben, erweitert unsere Perspektiven und schafft Momente der Verbindung, die über traditionelle Maßstäbe hinausgehen."
– Christl Novakovic, Head UBS Global Wealth Management EMEA

Risiken bleiben: Geopolitische Fragmentierung, Zollvolatilität, steigende Betriebskosten und Unsicherheiten über die langfristige geografische Verteilung des Markts. Die strukturelle Herausforderung bleibt, Wachstum breit zu verankern, jenseits der Top-Lots im dreistelligen Millionenbereich.

Kunstmessen: +35 % Händleranteil Online: auf 15 % gesunken Frauen: 45 % der Vertretungen 76 % bei USA/UK/China

Kunstmarkt: Häufige Fragen

Das Wachstum von 4 % auf 59,6 Mrd. USD wurde hauptsächlich durch eine Erholung des Hochpreissegments im zweiten Halbjahr 2025 getragen. Auktionshäuser profitierten von einer Rückkehr bedeutender Einzeleigentümer-Sammlungen auf den Markt, während sich das allgemeine wirtschaftliche Sentiment verbesserte. Dennoch blieb das Wachstum unter dem Niveau von 2022 und 2019.

Originale Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen sind in den USA grundsätzlich zollfrei (Kapitel 97 des Harmonized Tariff Schedule). Jedoch sind Dekorative Kunst, Antiquitäten und funktionale Designobjekte von den Zöllen betroffen, teils mit Sätzen von 10–35 %. Zusätzlich berichten Händler und Auktionshäuser von erheblichen indirekten Kosten: mehr Verwaltungsaufwand, teurere Versicherungen und Logistik sowie Lieferverzögerungen. Im Februar 2026 erklärte der Supreme Court die „reziproken Zölle" für ungültig, die Situation bleibt jedoch volatil.

Online-Verkäufe sanken 2025 auf 9,2 Mrd. USD (15 % des Gesamtmarkts) – nach dem pandemischen Höchststand von 13,3 Mrd. USD (25 %) im Jahr 2021. Dies bedeutet jedoch keine Bedeutungslosigkeit: Online-Kanäle dominieren das mittlere und untere Preissegment und sind als Ergänzung zu Liveveranstaltungen unverzichtbar. Im oberen Segment hingegen sind persönliche Begegnungen bei Messen und Auktionen nach wie vor entscheidend.

Laut Report entfielen 2025 rund 45 % der Händlervertretungen auf Künstlerinnen – ein Anstieg von 4 Prozentpunkten gegenüber 2024. Primärmarktgalerien erreichten dabei im Durchschnitt rechnerisch Parität. Größere Ungleichgewichte bestehen weiterhin bei sehr umsatzstarken Galerien und beim erzielten Verkaufswert der Werke. Die Gesamtrichtung zeigt jedoch strukturellen Fortschritt.

UBS schätzt, dass in den kommenden Jahrzehnten mehr als 83 Billionen USD zwischen den Generationen übertragen werden. Dieser Vermögenstransfer bringt neue Käuferprofile in den Kunstmarkt: jüngere Sammler mit stärkerem Fokus auf Nachhaltigkeit, Diversität und experiential value. Sie kaufen anders, informieren sich digital, und interessieren sich stärker für lebende Künstler und internationale Kunstformen – was die Marktstruktur langfristig verändern wird.

2025 wies die Schweiz mit +13 % die stärkste prozentuale Wachstumsrate in Europa auf, gefolgt von Österreich (+13 %) und Frankreich (+9 %). In Asien wuchs Südkorea um 6 %. Japan verlangsamte sich um 1 %. Deutschland schwächelte mit −10 % – möglicherweise bedingt durch wirtschaftliche Unsicherheiten und strukturelle Herausforderungen der Galerienlandschaft.

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Qualität, Wert und Stil

Kunst ist mehr als ein Objekt, sie ist ein Zeichen für Werte, die die Zeit überdauern.

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